ROBERT SCHUHMANN

Die Rezeption von Schumanns Musik war und ist genauso vielfältig, ja so bizarr, wie die vielen Interpretationen seines Lebens und unmittelbaren Wirkens. Vom „Trunkenbold des Gefühls“ (Nietzsche) bis zum „substantiellsten und edelsten deutschen Romantiker“ (Neumayer), der selbst um die schwere Verständlichkeit seiner Werke gegenüber seinen Zeitgenossen wusste, reicht der Reigen der Bilder. Erst allmählich hat man, Schumanns poetisch-musikalische Doppelnatur zu verstehen, begonnen, seine sensible Individualkunst zu schätzen, gelernt, und seine tiefgründige Musik, unabhängig von irgendwelchen Kategorisierungen, als vollkommen eigenständiges Phänomen auch zu akzeptieren, gewagt. So ist Schumann denn auch zum innersten Wesen menschlicher Gefühle vorgedrungen, jedoch wartet vieles von seiner Kunst und seinen reichhaltigen Werken noch immer darauf, entdeckt zu werden. Nicht wenig neben Schumanns sattsam bekanntem Oeuvre wird neu verstanden und interpretiert werden müssen. Schillernde Seelenzustände, das gefährlich Geniale, die hellen wie die dunklen Seiten der menschlichen Seele, all dies kannte Schumann von sich selbst und wusste, musikalisch davon zu berichten. Schumann hören, heißt deshalb auch, zu versuchen, sich selbst zu finden. Wurde noch rezent mit lebhaften Diskussionen über die medizinischen Ursachen von Schumanns tragischer Lebensgeschichte, seiner „Seelenschizophrenie“, seiner Einweisung in eine „Irrenanstalt“ und seinen dortigen Tod spekuliert, von einer manifesten Depression, Psychosen, Trunksucht, seltenen Hirntumoren bis zur zerebralen Syphilis, so ist es durch sehr rezente, authentische Quellen gelungen, vor allem auch mit Hilfe sorgsamer medizinischer Differentialdiagnostik, den organischen Ursachen seiner Krankheit, ihren möglichen Auswirkungen wie auch letztlich seiner Todesursache objektiv näher zu kommen.

Den meisten französischen Komponisten, von César Franck bis Gabriel Fauré, diente Schumann zur musikalischen Orientierung in der Welt der Gefühle. Claude Debussy, sein wohl größter Bewunderer, zählte ihn zu den „reinen Genies“ und hielt ihn für unverzichtbar für die Vollkommenheit seiner Musikepoche.